Im modernen Sprachgebrauch bedeutet Motette die mehrstimmige Vertonung eines
geistlichen Textes, vorzüglich eines Bibelwortes. Anliegen der Veranstalter von
Motette Maienfeld ist, mittels Vokal-
und Instrumentalmusik, alter und neuer Texte tradierte Werte der
christlich-abendländischen Kultur zu vermitteln. Die Konzerte von Motette Maienfeld sind der Versuch, im
Umfeld eines medial aufbereiteten Event-Kulturbetriebes Momente konzentrierter
Ruhe und erfüllter Stille zu schaffen und damit vielleicht ein paar Impulse zum
Nachdenken zu geben. Motette Maienfeld ist ein Angebot der Evangelischen Kirchgemeinde Maienfeld und wird unterstützt von der Evangelisch-reformierten Landeskirche Graubünden und von Dosenbach Schuhe.
Die Abrederis Orgel von 1725
Die Abbrederis Orgel in der Amanduskirche Maienfeld ist
integrierender Bestandteil des Kirchen-Innenraumes und zugleich dessen
dominierender Blickfang. Der hoch aufragende, dreiteilige, in fünf Pfeifenfelder
gegliederte Prospekt erinnert an einen Hochaltar. Seine vergoldeten
Holzschnitzereien korrespondieren mit den Blattranken der Deckenstukkaturen. Die
Pfeifen sind mit feinen Ziselierungen versehen. Auf den geöffneten Flügeltüren
ist der Harfe spielende König David dargestellt. Beim Betrachten der symmetrisch
angeordneten Figuren beginnt man unwillkürlich nach Unterschieden und
Übereinstimmungen der Bilder zu suchen.
Im September 1724 vereinbarte Tit. Herrn Punts Landama Carl
von Salis auf ratification eines wohl weissen rath, Allhier zu Mayenfeld mit dem
Matheus Abrydis (Matthäus Abbrederis), wohlerfahrenen Herren Orglen
Macher von rangweil (Rankweil Voralberg) vertraglich, ein schön orglen
werck zu machen. Das zwölf Register umfassende Werk wurde bereits im
folgenden Sommer auf die Statt Costen an hero gebracht und aufgerichtet.
Da die Orgel zu gross geraten war, wurde sie nicht auf der
dafür vorgesehenen Seitenempore, dem sogenannten «Örgeli», sondern auf der
eigens errichteten Holzempore aufgebaut.
In den Jahren 1896 und 1925 erfolgten zeittypische
Modernisierungen (pneumatische anstelle der mechanischen Traktur) und klangliche
Erweiterungen. 1968 wurde die Orgel durch die Firma Metzler aus Dietikon
restauriert. Dabei konnte das Hauptwerk in seinen ursprünglichen Zustand
zurückversetzt werden. Das Pedalwerk wurde erneuert und als klangliche
Bereicherung ein kleines Brustwerk im Unterbau des alten Gehäuses eingefügt.
aktuell: "wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich"
Am Wochenende 6./7. November singt das Vokalensemble Cantilena im Rahmen der Veranstaltungsreihen
Motette Maienfeld und Davoser Abendmusiken Geistliche Konzerte
und Motetten von Heinrich Schütz, Melchior Franck und Gallus Dressler.
Zu
Beginn des Programms stehen fünf „Kleine Geistliche Konzerte“ von Heinrich Schütz in wechselnden
Besetzungen für Sopran, Alt und Bass. Merkmale der 1631 und 1639 veröffentlichten
Kleinen Geistlichen Konzerte sind einerseits die kriegsbedingt auf wenige
Singstimmen und Generalbass beschränkte Besetzung und andererseits der melodisch
und harmonisch ausdrucksstarke monodische Stil, der die Harmonik als
eigenständiges kompositorisches Mittel einsetzt.
Das
prophetische Wort vom „leidenden Gottesknecht“ aus dem 53. Kapitel des
biblischen Buches Jesaja ist Inhalt von sieben kurzen Motetten, die im 1636 erschienenen
Werk „Paradisus Musicus“ des Coburger Kantoren Melchior Franck stehen. Otto
Widmer hat zu den Motetten Textparaphrasen verfasst, die den Versuch wagen, die
schwer verständlichen Jesaja-Worte neu zu interpretieren.
Je
eine Motette von Gallus Dressler („Unser Leben währet siebzig Jahr“) und
Melchior Franck („Unser keiner lebt ihm selber“) beschliessen das besinnliche Konzertprogramm.
Cantilena singt in der Besetzung mit der jungen
norwegischen Sopranistin Guro Hjemli, dem japanische Countertenor Akira
Tachikawa, dem Davoser Kirchenmusiker Otto Widmer (Tenor und Orgel) und dem
Basler Sänger Robert Koller (Bass-Bariton und Rezitation).
Die
Motette am Samstag, 6. November in der Amanduskirche Maienfeld beginnt um
20 Uhr; die Abendmusik am Sonntag, 7.
November in der Kirche St.Johann Davos Platz um 17 Uhr. Der Eintritt zu beiden
Veranstaltungen ist frei (Kollekte am Ausgang).
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